Kunstwerke für die Staatsanwaltschaft

 

Alles begann im Dezember 2017, als der Leiter der Staatsanwaltschaft Linz an uns Lehrerinnen aus dem Fach Bildnerische Erziehung der Bafep herantrat und fragte: „Könntet ihr mit euren Schüler/innen Bilder für unsere weißen Wände gestalten?“. Die Staatsanwaltschaft wurde 2017 in einen Neubau umgesiedelt und die junge Architektur war zu diesem Zeitpunkt bilderlos.

Ursprünglich sollten 16 Bilder für deren Sozialraum vom Haus übernommen werden. Als Gegenleistung wurde ein Buffet für alle Teilnehmer/innen geboten sowie eine Ausstellung der Bilder. Die Übernahme der Materialkosten und eine Führung durch die Strafanstalt Linz für die Gewinner und Gewinnerinnen der 16 ausgesuchten Bilder wurden ebenfalls organisiert.

Die Schüler/innen der 3. Klasse Bafep waren bereit zur Teilnahme und setzten sich inhaltlich mit vielen Paragraphen unserer Gesetzgebung auseinander.

„SMG“ ist die Abkürzung für Suchtmittelgesetz, “FPG“ jene für Fremdenpolizeigesetz. Was „Zurechnungsunfähigkeit“ heißt und was man unter der Unschuldsvermutung versteht, sind einige Fragmente jener Neuheiten, mit denen die 3.Klassler/innen konfrontiert wurden. Aber im Weiteren ging es um eine sehr kreative, intuitive und assoziative Interpretation diverser Gesetzestexte. Wurde ein Textfragment beispielsweise als „bedrängend“ interpretiert, so sollte diese „Bedrängung“ im Bild durch den Einsatz von ausdrucksstarker Schrift und expressivem Farbeinsatz sichtbar gemacht werden. Zum Einsatz kamen diverse Schreibwerkzeuge, von der Bambusfeder über die Finger sowie Transparentpapiere, die schichtweise aufkaschiert wurden, bis hin zur Spachtel, der Walze oder dem Malerpinsel zum Auftragen der Farbe. Der Kopierer diente zum Spiegeln, Vergrößern und Vervielfältigen. Als Bilduntergrund wurde in jedem Fall eine Leinwand verwendet.

Die Schüler/innen arbeiteten rund 7 Doppelstunden an diesem Projekt. Sie waren höchst gefordert in der Ideenfindung, erwiesen sich als unglaublich experimentierfreudig, ausdauernd und flexibel im Umgang mit Material und Gestaltung. Auch in der gegenseitigen Reflexion und Beratung zeigten sie enorme Teamfähigkeit.

Die Bilder lösten bei unseren Auftraggebern so große Begeisterung aus, dass die Mitglieder der Staatsanwaltschaft auf die Übernahme aller Bilder bestanden und somit alle Schüler/innen zu den Gewinnern zählten. Eine zusätzliche Prämierung der beliebtesten fünf Bilder sollte den Wettbewerbscharakter erhalten. Diese Schülerinnen erhielten zusätzlich einen Linzer Citygutschein.

Die feierliche Übergabe fand im Gebäude der Staatsanwaltschaft Linz in Anwesenheit der dortigen Belegschaft, aller Gestalter/innen, unserer Frau Direktorin sowie der Leiterin der Vollzugsanstalt in Begleitung eines Vollzugswachebeamten, dem ORF und der Presse statt.

Sabina Eisner und Karin Wimberger