Stele- ein Ort für Bitten, Klagen und Sorgen in der Schule

 

Hier einige Überlegungen dazu: Gedanken zur Stele im dritten Stock von Sr. Maria Esther Ganhör

* Wir Schwestern sind hier im Schulbereich ja im gefühlten Promillebereich – das ist einfach so.
Und trotzdem gibt es eine Verbindung – Freundschaften, Bekanntschaften, aber auch Unsichtbares – so ein Art WLAN hin und her – durch das Interesse am Schulgeschehen, durch das Gebet.

* Dieses WLAN hat jetzt einen Verstärker, einen Repeater bekommen:
in einer Nische im 3. Stock auf der Ebene des Zeichensaals: die Stele, die Clemens Huber gestaltet hat, inspiriert von einem Wort Mutter Maria Theresias, das die Hoffnung auf das verborgende Potential in jedem Menschen ausdrückt, das Goldgramm nennt sie es.
Diese Menschenkennerin weiß um die Schwierigkeit, dass es überhaupt zum Vorschein kommen und keimen kann – das rostige Gestrüpp am Boden der Stele spricht davon – bis sie sich ins Helle, ins Freie erheben und öffnen kann.

* Als Ideengeber fungierte Andreas Pumberger, der auf der ersten Ingenbohlreise in der Luzerner Franziskanerkirche dazu angeregt wurde: Dort stand eine durchsichtige Stele vor einem Altar – voll mit Bitten und Klagen und Sorgens-Zetteln. Mit Ausdauer reifte die Idee bis zum Auftragswunsch an Clemens.

* Unsere Stele steht nicht vor einem Altar, sondern mitten im Schulgeschehen – und sie wird nicht direkt dem lieben Gott vor die Nase gestellt, sondern wird von Zeit zu Zeit entleert – mit allen anonymen Bitten und Klagen, die jede und jeder hineinwerfen kann. Die Schwestern aller vier Gemeinschaften: St. Maria, Portiuncula, Kloster und St. Angelus werden sich abwechselnd diese Anliegen zu Herzen nehmen und sie ins Herz Gottes tragen.

* Vielleicht ist das noch mehr als ein Repeater, als ein Verstärker von geistigem WLAN, Verstärker der Hilferufe. Es kommt ja etwas zurück, wenn jemand oder etwas ins Herz Gottes gelegt wird.
Schwierigkeiten werden nicht gelöscht, das Gestrüpp des Alltags bleibt, aber es gibt möglicherweise einen liebevollen Ansporn, einen Goldschimmer von Segen – zu neuem Denken, Handeln, zur Selbstverantwortung – von DEM, der sich selbst als Lebensmittel bezeichnet hat und es ist.

So einen Segen wünsche ich uns allen – nicht nur für dieses Schuljahr!


Gedanken zur künstlerischen Gestaltung der Stele von MMag. Clemens Huber

Im Zentrum steht eine Box aus Messing. Diese ist im unteren Bereich mit verrostetem Eisengestänge ummantelt, das anfangs sehr dicht ist und nach oben hin leichter und transparenter wird. Nach diesem Gedanken ist auch die umgebende Wandnische gestaltet. Durch einen chemischen Prozess ist das Messing unten abgedunkelt und bekommt eine düstere, destruktive Struktur. Nach oben hin nimmt diese ab und geht in die Goldanmutung des Messings über.
Die Gestaltung symbolisiert das Sich-Erheben über belastende, einengende, bedrohliche (Lebens-) Situationen und den Übergang zu einem selbstbestimmten Leben in Freiheit. Das Werk ist inspiriert von einer Aussage der Generaloberin Maria Theresia Scherrer: „Wir wollen das Gramm Gold entdecken, das in jedem Menschen verborgen ist“.