Weihnachten im Schreibatelier

Dank der vielen liebevoll gestalteten Beiträge der Schülerinnen kam sogar übers Internet richtig weihnachtliche Stimmung auf!
Die Autorinnen wünschen frohe Weihnachten!


Kaufrausch:



Leni und der Schneemann:

 

Schöne Bescherung von Johanna Strasser
16:00
Tick
Tack
Tick
Tack
Die Uhr an der Wand tickt, Omas Stricknadeln klappern und mein Mann neben mir sitzt mit der Zeitung vor dem Kamin. Ich lese ein Buch und die Kinder sind teils beim Schlittschuhlaufen, teils oben, man hört Nina, meine jüngere Tochter, gerade schreien. Vermutlich hat Ole ihr wieder irgendetwas weggenommen. Fox, unser Foxterrier mit dem äußerst kreativen Namen, döst auf seiner Hundedecke und schaut gelegentlich müde auf. Es beginnt draußen dunkel zu werden, wie es nur zur Weihnachtszeit dunkel wird.
Wie kann man da bloß schlecht gelaunt sein, fragt man sich. Nina ist das offenbar, denn jetzt stört ein erneuter Schrei die frühabendliche Idylle. Ich sollte eventuell doch einmal nachsehen, was los ist, bevor sich die beiden da oben noch die Köpfe einschlagen.

16:31
So, bin wieder unten. Die Kinder haben sich wieder vertragen, wenngleich Ninas Lieblingspuppe jetzt einen schicken Schnurrbart trägt. Ich setze mich wieder auf die Couch und möchte gerade mein Buch aufschlagen, als es mich durchfährt wie ein Blitz. Wie lange ist der Braten jetzt schon im Ofen? Ich gehe besser nachsehen…

16:35
Braten gerettet, war doch nicht zu lange drin.

17:00
Pünktlich zum Tischdecken kommen auch meine beiden älteren Kinder, Leon und Eva, nach Hause. Durchgefroren, fertig, aber glücklich stehen sie im Flur und verbreiten Pfützen auf der Fußmatte. „Zieht euch schnell aus, das Essen ist fertig“, rufe ich ihnen aus der Küche zu. Brav gehorchen die beiden und kommen. Sie helfen mir sogar, den Tisch zu decken. Keine Selbstverständlichkeit.

17:30
Während die anderen noch beim Nachtisch sitzen, gebe ich vor, auf die Toilette zu gehen, trete ins Wohnzimmer und mache mich bereit, die sorgfältig in Papier gewickelten Geschenke unter dem Baum zu platzieren.
Ich bin gerade dabei, die letzten Päckchen um den Stamm zu arrangieren, als es passiert: Ich bleibe beim Aufstehen am Baum hängen und bringe ihn glatt zu Fall. Mein Mann versucht alles, um selbst ins Wohnzimmer zu gelangen, während die Kinder im besten Falle am Küchentisch sitzen bleiben. Leider hat mein Mann dabei nur mäßigen Erfolg und Ole schlüpft ins Wohnzimmer. Als ob der zerbrochene Baumschmuck nicht schon genug wäre, fängt er jetzt auch noch an zu brüllen: „Nina, Leon, Eva, schaut mal! Die Mama ist das Christkind!“ Darauf drängen sich prompt alle vier Kiddies an meinem Mann vorbei durch die Tür und da haben wir sie: eine schöne Bescherung.